Artenvielfalt auf Gemeinschaftsfläche – eine Erfolgsgeschichte

Vom monotonen Rasen zum bunten Paradies
Die Fläche liegt an einem beliebten Spazierweg zwischen Hagenbeckstraße und Högenstraße, insgesamt 230 Quadratmeter Zierrasen, gesäumt von Rhododendren. Gepflegt, aber nahezu nutzlos für einheimische Insekten oder Tiere. Ziel war es, die vereinseigene Fläche in ein buntes, summendes Blütenmeer mit heimischen Pflanzen zu verwandeln. Denn mit öffentlich zugänglichen Rasenflächen verfügen viele Gartenvereine im Hamburger Einzugsgebiet über brachliegende, oft unterschätzte Reserven für praktischen Artenschutz.
Chronik einer Erfolgsgeschichte im Zeitraffer


Vorher / Nachher – der Unterschied
Im Frühjahr 2025 begann die Arbeit, um die eintönige Rasenfläche abzutragen. Der Schrebergarten-Vorstand sicherte zu, Material- und Sachausgaben zu übernehmen, sofern sie den Betrag von 200 Euro nicht überschreiten. Den Rest würden Leidenschaft, Muskelkraft und gute Ideen erledigen. Die Faustregel lautete: Heimische Wildarten pflanzen!

Rodung der Rhododendren
Zunächst mussten die invasiven Sträucher weichen: Der Pontische Rhododendron (Rhododendron ponticum) wurde vollständig gerodet und entwurzelt. Wer gern Exoten pflanzt, sollte bedenken, dass sich Pflanzen aus unserer Region über Jahrtausende gleichzeitig mit den einheimischen Tieren entwickelt haben – deshalb blühen sie optimal zu der Zeit, in der Insekten die Blüten als Futter brauchen. Und nur ein vielfältiges Insektenvorkommen sichert eine artenreiche Vogelwelt. Kleinere Vögel benötigen rund 5.000 bis 10.000 Insekten pro Brut und Jahr. Größere Arten brauchen sogar bis zu 50.000.

Abtragen der Grasnarbe
Im nächsten Schritt musste der alte Rasen weichen: Die dichte Grasnarbe wurde in rund 30 Zentimeter dicken Soden sorgfältig abgetragen und abseits gelagert. Nur durch das Entfernen der nährstoffreichen Oberschicht entsteht der magere Boden, den heimische Wildblumen zum Gedeihen brauchen.

Aushub und Bodenaustausch in Handarbeit
Anschließend musste die gesamte Fläche mit Schippe und Muskelkraft bis zu 1,4 Meter tief ausgehoben werden. Dabei war zu beachten, dass der obere und der untere Teil des Bodens getrennt aufgehäufelt werden müssen. Aus der Tiefe wurde der wertvolle, sandige Boden geborgen, der typisch für den Hamburger Untergrund ist. Die Grassoden sowie der obere dunkle Boden wurden anschließend ganz unten in die Grube gefüllt. Die sandige, nährstoffarme Erde von unten wanderte wiederum nach oben. Sie bildet das perfekte Keimbeet für heimische Wildblumen.



Nistplätze im Boden statt im Holz
Klassische Nisthilfen wie Insektenhotels helfen nur wenigen Arten: Die überwältigende Mehrheit der heimischen Wildbienen nistet im Erdboden. Genau dafür entstand direkt unter der Bank ein rund 60 Zentimeter tiefes Erdloch. Gefüllt mit verdichtetem, reinem Sandboden und zu einem flachen Hügel modelliert, wird die Fläche dauerhaft offen gehalten. Begrenzt von markanten Steinen und Wurzelholz finden seltene, bodennistende Wildbienen hier künftig die perfekten Bedingungen für ihren Nachwuchs.

Aus Betonplatten wird ein Mosaikweg
Auch feste Wege lassen sich naturnah gestalten: Die ursprünglichen Betonplatten wurden herausgehoben, zerschlagen und mit breitem Fugenabstand wieder eingepasst. Ein dünn eingefüllter Mix aus Saatgut, Sand und etwas Humus brachte trittresistente Arten wie Kriechender Thymian und Sedum direkt in die Ritzen. Das Ergebnis nach einer Saison: Ein stabiler Pfad durch die Wiese, dessen blühende Ritzen zusätzliche Nahrung und warme Nischen für Insekten bieten.

Schon im ersten Herbst regt sich neues Leben
Wenige Monate nach der Einsaat zeichnete sich der Wandel ab. Im Spätherbst wuchsen bereits dichte Blattrosetten heimischer Wildkräuter, die den kargen Untergrund bereits erobert hatten. Der Vergleich zum Ursprung könnte kaum größer sein: Wo einst kahle Gleichförmigkeit und wuchtige Rhododendren den Raum einnahmen, bereitete sich die Wiese still und heimlich auf ihren ersten farbenfrohen Auftritt vor.

Farbenpracht vor der ersten Mahd
Endlich ist die Arbeit geschafft. Die Wiese blüht!. Doch so aufwendig muss es gar nicht sein – mit dem passenden heimischen Saatgut und deutlich weniger Pflegeaufwand als bei einem herkömmlichen Rasen gelingt die eigene bunte Wiese fast überall. Gemäht wird ein- bis dreimal im Jahr möglichst mit der Sense. Übrigens: Wer Platz zum Toben braucht, kann die Wiese durch angepasste Mahd auch kürzer halten. Das ist zwar nicht bundesligatauglich, aber eine wunderbare Spiel- und Erlebniswiese für Kinder – und der frische Blumenstrauß für den Küchentisch fällt ganz nebenbei auch noch ab.


